Tobias Sammelsurium der Woche #11/2025
Hinter der unprätentiösen Teilenummer 199 398 500 A verbirgt sich der letzte verbliebene Verkaufsschlager des Volkswagenkonzerns, die hauseigene Currywurst. Einst von Gas-Gerd Schröder als »Kraftriegel der Facharbeiterin und des Facharbeiters in der Produktion« bezeichnet, wurde sie, entgegen der Automobilkonjunktur, im letzten Jahr 8,55 Millionen Mal verkauft. Im Kerngeschäft auf vier Rädern wurden hingegen nur 4,2 Millionen Einheiten abgesetzt. Die Currywurst in ihrem Lauf halten eben weder Wokeness noch Veggie-Day auf.
Die Currywurst ist vor allem deswegen eine gute Sache, weil sie weder Kraftstoff noch Ladesäulen braucht und noch viel wichtiger keine Investition in zukunftsweisende Software. Sie tut seit Jahrzehnten unverändert was sie soll: Schmeckt gut, tut gut. Die Welt könnte so einfach sein.
Dieser Tage geht es nicht nur in Wolfsburg, sondern auch in Berlin um die Wurst. Als im September 2022 die Bundesregierung den damals sogenannten Doppel-Wumms in Höhe von 200 Milliarden Euro zündete, war Kanzler Scholz durchaus ein gewisser Stolz anzumerken. Niemals zuvor hatte ein deutscher Politiker eine derartig große fiskalpolitische Waffe abgefeuert.
Da will der nächste Kanzler natürlich nicht hinter zurückstehen und bläst zum finanziellen Halali – er hat diese Woche einen Zehnender erlegt. 1000 Milliarden für die Zukunft. Diesen Rumms hört man bis Arnsberg, vielleicht sogar bis Moskau und Washington. 500 Milliarden für die Verteidigung, 100 Milliarden fürs Klima und 400 Milliarden für Investitionen aller Art; Kleinklein wohnt hier nicht. Wenn alles so kommt, wie man es sich bei CDU und SPD vorstellt, dann leben wir in 10 Jahren in einem sicheren und generalsanierten Paradies.
Doch auch wenn dereinst 110% des deutschen Energiebedarfs regenerativ erzeugt wird, die Autobahnbrücken mit Fischgrät-Parkett ausgelegt sind und jeder deutsche Zug pünktlich wie in Japan und mit der Aufenthaltsqualität des Orient Express fährt, wird eines bleiben: Der nahrhafte Kraftriegel in Currysauce. Macht also was ihr wollt, mit all dem Geld liebe Politiker. Aber in der Kantine und der Imbissbude gilt auch in Zukunft die Weisheit des alten Adenauers: »Keine Experimente!«
Dir ein hungriges Wochenende!
T.
Post der Woche

Fünf fürs Wochenende
Ich falt' mir was, falten macht so viel Spaß
Die Freude, aus einem simplen Stück Papier ein Fluggerät mit mehr oder minder großartiger Reichweite zu falten, ist seit Generationen ungebrochen. Neben sehr klassischen Formen gibt es eine Vielzahl weiterer Varianten, die unterschiedliche Flugeigenschaften aufweisen. Wer in der Ecke noch ein angebrochenes Paket Druckerpapier liegen hat oder stundenlang in Teams Meetings sitzt, kann mit dieser Seite wunderbare Stunden verbringen.
» Come fly with me
Die Fischklingel
Durch die Kanäle Utrechts schwimmen zahlreiche Fische, die sich zwischen März und Mai auf die Suche nach Laichplätzen machen. Die Weerdsluis ist ein wichtiger Sperre, die den fortpflanzungswilligen Wasserbewohnern im Weg stehen kann. Daher hat man hier eine Unterwasserkamera installiert, mit deren Hilfe Menschen aus aller Welt nachschauen könne, wie viele Fische gerade auf eine Durchquerung warten. Im Browser lässt sich dann die Fischklingel drücken und ein menschlicher Schleusenwärter (m/w/d) öffnet dann die Pforte. Ein Spaß für die ganze Familie und eine witzige Idee um Menschen auf die Wichtigkeit des Lebens im Wasser aufmerksam zu machen.
» Ding-Dong der Aal ist da
2549 Basketballplätze in Hong Kong
»Hömma, Dehler« mag die geschätzte Leser*innenschaft dieser Zeilen denken, »ist ja okay, dass du hier jede Woche Quatsch aus aller Welt zusammenträgst. Aber Basketballplätze in Hong Kong. Wen interessiert das?« Im ersten Moment könnte ich nicht widersprechen. Trotzdem würde ich empfehlen auch diesem Link zu vertrauen. Dafür muss man weder Basketball spielen noch schon mal in der ehemaligen Kronkolonie gewesen sein. Austin Bell hat sie fotografiert und egal ob mit Kamera oder mit der Drohne – jedes Bild ist farblich, architektonisch und ganz generell sehenswert. Versprochen.
» Dreier statt Schrittfehler
Big Elon is Connecting You
Der ungewählte Mad Man Elon an der Seite des gewählten Mad Man Donald sorgt aktuell für viel Furor. Seine Macht und sein Tatendrang scheinen unbegrenzt. Sich selbst und die Welt scheint er nur noch unter Ketamin-Einfluss auszuhalten. Das kann einen, nun ja, leicht beunruhigen. Ebenso beeindruckend, wie faszinierend und beunruhigend ist die Zahl der Starlink-Satelliten, die er ins All geschossen hat, um die Welt mit Internet zu versorgen. Das er diese Versorgung jederzeit einstellen kann, ist natürlich völlig unproblematisch. Wo die 5601 Satelliten gerade unterwegs sind, zeigt diese Seite äußerst eindrucksvoll.
» Mad Man Maps
Drogenfreier LSD-Trip
Wer es schafft, Polarlichter zu fotografieren, holt sich kostenfrei die schönsten Farben ins Haus. Mehr bunt geht auch mit LSD nicht. Diese Website zeigt nicht nur die beeindruckendsten Aufnahmen dieser Leuchterscheinungen aus dem letzten Jahr, sondern erklärt auch, wie man solche Ergebnisse selber erzielen kann – scheint gar nicht so schwierig zu sein.
» A sky full of electrometeors
Damals geschrieben
#11/2024: Der Furz. Das Glas.
#11/2023: Die KI. Der Selbstversuch.
Gedanke der Woche
»Wenn wir auf unsere Mütter und Väter gehört hätten, dann hätten wir heute immer noch keinen Orgasmus beim Schlafen und Lieb haben.«
Nina Hagen
Bild der Woche

Frage der Woche
Welche Verfassungsänderung wäre bei dir dringend geboten?
Die geheime Durchhaltsache
Der Versuch 2025, statt eines großen Vorsatzes, eine kleine Sache jeden Tag zu machen.
Diese Woche: 4/7 | Insgesamt: 41/72 | Stimmung 🙂
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